Mit großem Interesse haben rund 70 Bürgerinnen und Bürger die öffentliche Informationsveranstaltung der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (evb) zur geplanten Reaktivierung der Eisenbahnstrecke zwischen Stade und Bremervörde besucht. Auf der traditionsreichen Strecke sollen ab Dezember 2028 nach mehr als 30 Jahren wieder regelmäßig Personenzüge verkehren.

„Diese Veranstaltung ist ein starkes Signal“, betonte Landrat Kai Seefried (Kreis Stade), der neben der Landtagsabgeordneten Corinna Lange, IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph von Spesshardt und zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Politik zu den Gästen im neuen Dorfgemeinschaftshaus Deinste gehörte: „Dass die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister da sind, dass die Industrie und Handelskammer da ist – das alles unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts.“
Breite politische Unterstützung für die Reaktivierung
Von seinem Rotenburger Amtskollegen Marco Prietz, aufgrund eines Termins in Oldenburg verhindert, richtete Seefried herzliche Grüße aus: „Wir hätten Sie gern gemeinsam hier willkommen geheißen. Dass wir nach vielen Beratungen und politischen Beschlüssen inzwischen an diesem konkreten Punkt angekommen sind, dass Sie auf dem Infomarkt vorne im Foyer ganz konkret sehen können, was jetzt geplant ist und wie es aussieht: Das ist tatsächlich eine ganz neue Phase.“
Die Kommunen entlang der Strecke würden von der verbesserten Anbindung profitieren: „Das ist eine enorme Attraktivitätssteigerung. Davon bin ich fest überzeugt.“ Für die Organisation des Abends und das Vorantreiben der Planungen richtete Seefried seinen Dank an die evb und erinnerte auch an die Rolle von Olaf Lies, der (noch als Wirtschafts- und Verkehrsminister) den Startschuss für den Maßnahmenbeginn gegeben hatte: „Der Ministerpräsident hat die Botschaften klar gesetzt. Hier werden die Hausaufgaben gemacht. Dass wir im Dezember 2028 dann vielleicht zum Weihnachtsmarkt in Stade oder zum Weihnachtsmarkt in Bremervörde mit dem Zug fahren können: Das würde mich riesig freuen.“

Mit dem Zug zwischen Bremervörde und Stade: Das könnte ab Ende 2028 Realität sein.
Planung nimmt konkrete Formen ab
evb-Geschäftsführer Christoph Grimm stellte das vertikal integrierte Verkehrsunternehmen evb und den aktuellen Stand des Projekts vor und berichtete von wichtigen Fortschritten. Als wesentliche Meilensteine nannte er die Einreichung der Förderanträge sowie die Vorlage der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog zu gehen“, sagte Grimm.
Der große Zulauf zur Veranstaltung bestätige das hohe Interesse an dem Vorhaben und zeige, wie eng die Menschen in der Region mit der Bahnstrecke und ihrer großen Traditioon verbunden seine. Letztere verdeutlichte Grimm mit einer fotografischen Erinnerung an das Jahr 1898: Damals fuhr der erste von einer Dampflokomotive gezogene Zug der Verbindung nach Stade in den Bremervörder Bahnhof ein und eröffnete der Region neue wirtschaftliche Perspektiven.
Trotz der weit fortgeschrittenen Vorbereitungen sei aber festzuhalten, dass die konkrete Realisierung des Vorhabens nach wie vor an der Genehmigung der Bundesmittel hänge, die etwa 90 Prozent der Kosten in Höhe von rund 22 Millionen Euro abdecken. Die Finanzierungszusage könnte bei erfolgreicher Beendigung aller vorherigen Schritte und wenn genügend Finanzmittel zur Verfügung stehen im Januar 2028 vorliegen.
Zwischen- und Zielkonzept vorgestellt
Holger Buse, Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur bei der evb, erläuterte die konkreten Planungen zur Reaktivierung und stellte zwei Betriebskonzepte vor: ein Zwischenkonzept und ein Zielkonzept. Bereits das Zwischenkonzept sieht eine direkte Verbindung zwischen Bremervörde und Stade vor, allerdings mit noch nicht optimalen Anschlüssen an weiterführende Zugverbindungen. Das Zielkonzept überwindet diese Nachteile. Da für dieses Konzept zusätzliche Baumaßnahmen am Bahnhof Stade der DB InfraGO notwendig sind, ist es zeitaufwändiger und kann frühestens 2030 realisiert werden.

Angeregte Gespräche auf dem Infomarkt zur Reaktivierung in Deinste.

Gespräch auf dem Infomarkt bei Infoveranstaltung zur Reaktivierung in Deinste.
Umfangreiche Modernisierungen entlang der Strecke
Für die Reaktivierung sind umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Wie Holger Buse erläuterte, werden zahlreiche Bahnstationen modernisiert und barrierefrei ausgebaut. Geplant sind unter anderem der Neubau beziehungsweise die Sanierung von Bahnsteigen, barrierefreie Zugänge, taktile Leitsysteme für mobilitätseingeschränkte Menschen, dynamische Fahrgastinformationssysteme, Fahrausweisautomaten sowie Wetterschutzeinrichtungen. Darüber hinaus wird die Strecke technisch umfassend aufgerüstet. Geplant sind unter anderem neue Signaltechnik sowie der Bau von zwei Kreuzungsbahnhöfen, um auf der eingleisigen Strecke Zugbegegnungen zu ermöglichen. Auch im Bahnhof Stade sind Anpassungen vorgesehen.
Auch die Kommunen werden bei der Umsetzung eine wichtige Rolle übernehmen. Die Umfeldgestaltung der Stationen liegt in ihrer Verantwortung. Dazu gehören unter anderem Park-and-Ride- sowie Bike-and-Ride-Anlagen, eine verbesserte Busanbindung und die Einrichtung von Haltestellen für den Schienenersatzverkehr. Der Deinster Bürgermeister Jörg Müller hatte in seinem Grußwort betont, dass die erforderlichen finanziellen Mittel für die kommunalen Maßnahmen in den Bahnhofsumfeldern bereits in den Haushalten berücksichtigt worden seien.
An den Stationen des Infomarktes im Foyer wurde noch bis 20 Uhr angeregt über die Reaktivierung gesprochen. Die Resonanz der zahlreichen Ansprechpartner war durchgehend positiv. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch evb-Geschäftsführer Christoph Grimm über Ablauf, Resonanz und die vielen positiven Gespräche des Abends: „Die Reaktivierung ist auf dem Weg, und ich bin mir sicher: Gemeinsam mit der und für die Region kann dies ein sehr erfolgreicher Weg werden.“
06.07.2026
, Ihre EVB


